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Informationen zur Blauzungenkrankheit (BTV) in Frankreich
2017-01-03 10:04:34
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter hat kürzlich einen interessanten Bericht zur Entwicklung der Blauzungenkrankheit in Frankreich gegeben, den wir hiermit zur Kenntnis geben wollen:

In Frankreich deuten die Ergebnisse der Überwachungsprogramme auf eine stärkere Aktivität des Blauzungenvirus hin. Wurde der Serotyp 8 des Virus von September 2015 bis einschließlich Juni 2016 auf 284 Betrieben nachgewiesen, so waren es zwischen Juli und Anfang Dezember 2016 bereits 844 betroffene Höfe. In den vergangenen drei Wochen wurde über fast 300 neue Fälle berichtet (davon 186 vom 25. November bis 2. Dezember). Gut zwei Drittel der insgesamt 1.128 Nachweise entfallen auf die Region östlich und südlich des ersten Falls im Departement Allier, wobei in der laufenden Saison eine Verschiebung in östliche Richtung beobachtet wird.

Im Oktober und November breitete sich die Seuche in 7 neue Departements aus, was eine Ausdehnung der Sperrzone bis an den Golf von Saint-Malo erforderlich machte. Somit liegen nun auch Teile der Bretagne und der Normandie im Restriktionsgebiet. Die neuen Fälle in den Vogesen hatten keine Neuabgrenzung der Zonen zur Folge, weil die betreffende Region bereits bis zur Grenze nach Deutschland, Luxemburg und Belgien reglementiert ist.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Vergleichbarkeit der Anzahl von Fällen sowohl zwischen den verschiedenen Departements und innerhalb eines Départements im zeitlichen Verlauf eingeschränkt ist, weil die Zahl der durchgeführten PCR-Tests räumlich und zeitlich starken Schwankungen unterlag.

Das französische Überwachungssystem ist recht aufwändig. Es ruht auf drei Säulen:

a) der Überwachung klinischer Verdachtsfälle,
b) den amtlich angeordneten Untersuchungen in den freien Gebieten und den daran angrenzenden Départements (monatliche serologische Untersuchung von 180 Sentinel-Rindern im Alter von 2 bis 4 Jahren aus mindestens 9 Betrieben pro Département) sowie
c) den Untersuchungen an Tieren, die aus der Sperrzone hinaus verbracht werden. Klinische Fälle bleiben - wie bereits 2015/16 - sehr selten. Seit Juli sind nur 12 Betriebe mit klinisch auffälligen Tieren positiv getestet worden, darunter 9 Rinder- und 3 Schafhaltungen (von Sept 2015 bis Juni 2016 sind es 16 klinische Fälle gewesen).

Rund 90 % der Ausbruchsherde wurden durch die Verbringungsuntersuchungen entdeckt. Seit dem 14. November wurde eine neue Phase des entomologischen Monitorings gestartet. Im Vergleich zum Vorjahr wurde das System vereinfacht, es gibt bspw. nur noch 24 anstatt 49 Standorte für die Fallen. Ziel ist wiederum, bestimmte Gebiete als vorübergehend vektorfrei anzuerkennen, um von den Erleichterungen bei der Verbringung von Tieren aus solchen Gebieten zu profitieren.

Im Hinblick auf die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit hat die französische Regierung vor einigen Monaten neue Bestimmungen bekannt gegeben. Seit Oktober 2016 erhalten die Tierärzte den Impfstoff zentral über eine einzige Firma (Fa. Serviphar, Torcé, Bretagne). Derzeit
sind dort nach Auskunft von GDS France 11,9 Mio Dosen Impfstoff verfügbar. Im Oktober und November wurden zusammen knapp 580.000 Dosen Impfstoff an die Tierärzte ausgeliefert. Es gibt drei Hersteller: Merial, CZV (mit zwei versch. Größen, 100 bzw. 252 ml) und Calier (nur für Schafe). Laut Ministerium ist eine Festlegung von Prioritäten für die Impfung nicht mehr notwendig, weil genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Merial wird aber erst im nächsten Jahr wieder liefern und der Vorrat an dessen Impfstoffen könnte zur Neige gehen. Dies wird zwar insgesamt ausgeglichen durch die reichlichen Lieferungen von CZV, bei einigen Tieren wird aber voraussichtlich die erste Impfung wiederholt werden müssen, weil der Merial-Impfstoff nicht mit CZV-Impfstoff geboostert werden kann.

Dem Vernehmen nach ist es kürzlich zu Lieferungen von seropositiven Kälbern nach Spanien gekommen, was letztlich zu Änderungen am bilateralen Protokoll zwischen F und E führen könnte.

Wie in Deutschland ist auch in Frankreich die Impfung in freien Gebieten möglich. Im Rahmen dieser Sonderregelung wurden bereits 5.000 Dosen eines bivalenten Impfstoffes gegen die Serotypen 1 und 4 für Schafe auf Besamungsstationen ausgeliefert.

Ende vergangener Woche hat der französische Chefveterinär bei der OIE einen neuen Ausbruch von BTV-4 auf Korsika notifiziert. Das französische Referenzlabor Anses hat 3 positive Schafe auf einem Betrieb in Bonifacio gefunden. Auf dem Betrieb sind von 9 Verdachtsfällen 8 Schafe gestorben. Es handelt sich um einen Betrieb mit insgesamt 100 Schafen und 25 Ziegen. Es wird vermutet, dass starke Winde aus Sardinien (wo Ende November ebenfalls neue Fälle von BTV-4 beobachtet wurden) infizierte Gnitzen in die betroffene Region im Süden der Insel geweht haben. Die Behörden haben die Landwirte aufgerufen, auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten. Auf Korsika gilt bereits eine Pflichtimpfung gegen die Serotypen 1 und 4, die vom Staat bezahlt wird.

Dr. Hans-Peter Schons, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter (ADT)
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